Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg
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Auf der Südseite des Umweltzentrums hat der BUND RV SBH eine natürliche Blühwiese angelegt. Die Entwicklung der Wiese wird in den nächsten Jahren begleitet und soll hier Tipps zum Anlegen einer natürlichen Blühwiese, Auswahl der Blühmischung und zur weiteren Pflege bieten.

Anlegen einer Blühwiese:

Zu Beginn wurde die Grasnarbe mit ca. 5 cm Tiefe entfernt und der Boden gelockert und umgegraben.

Nach einigen Wochen Brache wurde das Saatgut "Wildblumenwiese" von Syringa mit Sand vermischt und ausgesät. Hier gehts zur Mischung

Vielfältige Tipps zur Auswahl des Saatgutes und zur Bodenbearbeitung vor der Ausbringung finden Sie im Steckbrief von Kathrin Schwab

Hier gehts zum Steckbrief

 

Interview mit Kathrin Schwab, Agraringenieurin und Expertin für Grünland zur Pflege von Neuansaaten von Wildblumenwiesen – häufige Fragen die beim Anlegen einer Blühwiese auftreten

BUND RV SBH: Wann muss ich die Wiese das erste Mal nach der Einsaat mähen?

Kathrin Schwab: Bei einer Spätsommer-Aussaat in ein unkrautfreies, gut vorbereitetes Saatbett kann die Wiese im Folgejahr schon wie ein älterer Bestand gemäht werden. Die Regelpflege bedeutet zwei Schnitte mit Materialabräumung,  bei einem Heuschnitt Mitte Juni bis Anfang Juli, ein Öhmdschnitt wäre Ende August bis Mitte September anzusetzen. Bei Frühjahrsaussaaten ist im ersten Jahr in der Regel ein sogenannter Schröpfschnitt erforderlich.

BUND RV SBH: Auf meiner Wiese dominieren unerwünschte Beikräuter - was kann ich tun?

Kathrin Schwab: Oftmals sind in den Einsaatflächen Samen von Samenunkräutern vorhanden, die deutlich schneller auflaufen als die eingesäten Wildkräuter. Zu den Problem-Beikräuter sind z.B. Melde, Ampfer, Ampfer-Knöterich, Acker-Kratzdistel anzusehen, diese Beikräuter sind sehr konkurrenzstark und überwachsen die Einsaat, die dann zu wenig Licht bekommt. Hier muss unbedingt nach 8 - 10 Wochen ein Schröpfschnitt mit Materialabräumung auf 5 - 6 cm Höhe durchgeführt werden. Bei erneutem Aufwuchs von dominanten Beikräutern Schröpfschnitt ggf. mehrfach wiederholen, in jedem Fall vor Samenreife. Auf kleinen Flächen können die Beikräuter auch von Hand gezogen werden.

BUND RV SBH: Ich habe einjährige Arten in der Einsaat, die schön blühen. Stört das die Wiesenentwicklung?

Kathrin Schwab: Einjährige Arten, wie z.B. Senf, wachsen schneller und üppiger als die Wiesenkräuter. Sie blühen schnell und locken so Insekten an. Gleichzeitig können sie die Wiesenentwicklung durch ihre Dominanz verhindern. Wenn das Entwicklungsziel eine dauerhafte Blumenwiese ist, müssen sie rechtzeitig entfernt oder gemäht werden. Anders bei der Anlage von einjährigen Blühmischungen - hier gehören sie zur den eingesäten Arten der Mischung.

BUND RV SBH: Wie hoch darf der Anteil bestimmter Pflanzen sein?

Kathrin Schwab: Eine Wiese ist nie fertig in ihrer Entwicklung. Sie ist kein statisches System. Durch den sich verändernden Nährstoffhaushalt und die unterschiedliche Witterung in den einzelnen Jahren sind immer andere Pflanzen vorherrschend. Löwenzahn z.B. sät sich in lückige Wiesenbereich und kann phasenweise dominieren. Bei Ausmagerung der Flächen durch Mahd mit Materialabräumung sinkt der Anteil dann wieder über die Zeit. Mit den Jahren samen sich auch Arten aus umliegenden Wiesen an. Dafür verschwinden eingesäte Arten, denen der Standort nicht zusagt.

BUND RV SBH: Wann ist der richtige Schnittzeitpunkt?

Kathrin Schwab: Der erste Schnitt sollte zur Blüte der bestandsbildenden Gräser erfolgen (bei landwirtschaftlichen Heuwiesen i.d.R. der Glatthafer). Das entspricht etwa dem Zeitpunkt der Margeritenblüte Mitte Juni - Anfang Juli. Es ist wichtig, zu mähen auch wenn die Wiese noch „schön blüht“. Ein zu später erster Schnitt führt über die Jahre zu einer „Vergrasung“. Der zweite Schnitt ist weniger zeitkritisch und kann nach der Witterung ausgerichtet werden: Ende August - Mitte September. Der Abstand zwischen erstem und zweitem Schnitt sollte möglichst mindestens 8 Wochen betragen. Auf wüchsigen Flächen kann ein dritter Schnitt sinnvoll sein. Die Schnitthöhe sollte rd. 10 cm betragen, um einen Fluchtraum für Insekten zu schaffen und möglichst wenige Amphibien zu verletzen.

BUND RV SBH: Kann ich das Schnittgut direkt nach dem Mähen entfernen?

Kathrin Schwab: Das Schnittgut sollte einige Tage auf der Fläche verbleiben und dort abtrocken. Hierdurch kommen die Samen ans Abreifen und können ausfallen. So kann der Kräuteranteil der Fläche auf Dauer erhalten werden und auch die Insekten können in Ruhe die Fläche verlassen.

BUND RV SBH: Kann ich die Fläche auch mulchen?

Kathrin Schwab: Beim Mulchen bleibt das gehäckselte Material auf der Fläche. Hierdurch bekommen die Wiesenblumenarten zu wenig Licht und Luft. Außerdem reichern sich Nährstoffe an, die hauptsächlich das Gräserwachstum fördern und Wildblumen verschwinden lassen.

BUND RV SBH: Muss ich die ganze Fläche auf einmal mähen?

Kathrin Schwab: Es ist für die Biodiversität hilfreich, in Abschnitten zu mähen und z.B. Altgrasstreifen als Refugium und Überwinterungsplatz für Insekten stehen zu lassen. Dies ist aber erst in stabilen Wiesenbeständen sinnvoll und nicht in frischen Einsaatflächen.

Der BUND Regionalverband bedankt sich ganz herzlich bei Kathrin Schwab für die fachliche Unterstützung

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