BUND Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg

Wolf & Luchs

Wolf und Luchs kommen zurück nach Baden-Württemberg und auch in die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg. Dieser Prozess muss gesellschaftlich begleitet werden. Insbesondere müssen tragfähige Lösungen für Schaf- und Ziegenhalter*innen gefunden werden, damit sie mit potentiellen Wolfs- oder Luchsrissen nicht allein gelassen werden. Der BUND begegnet in seiner Verbandsposition der „Angst vorm bösen Wolf“ und zeigt mögliche Wege für die Weidetierhaltung auf. Die Situation für den Luchs stellt sich allerdings anders dar. Ohne aktive Mithilfe ist in nächster Zeit nicht mit einer Ausbreitung des Luchs bei uns zu rechnen. Bild: Paukerex/Pixelio

Wolf

Über 100 Wolfsrudel leben derzeit im Norden und Osten Deutschlands. Und wo es noch keinen Nachwuchs gibt, lassen sich einzelne Tiere nieder oder streifen zumindest durch die Wälder. Allmählich auch in Baden-Württemberg. Zwei männliche Wölfe haben sich im Nord- und Südschwarzwald niedergelassen. Weitere einzelne Jungtiere streifen durch die Wälder. Oft werden sie erst registriert, wenn sie tot aufgefunden wurden oder Schafe oder Ziegen gerissen haben. Aus Naturschutzsicht ist die Rückkehr des Wolfes, 150 Jahre nach seiner Ausrottung, eine sehr gute Nachricht.

Wenn Sie einen Wolf sehen

Wenn Sie einen Wolf in Baden-Württemberg in freier Wildbahn sehen oder ein Tier finden, das vom Wolf gerissen sein könnte, machen Sie Fotos und melden Sie dies bitte telefonisch der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA): 0761 4018274 oder 0173 6041117.

Eine Liste der bisher eingegangenen eindeutigen Wolfsnachweise sowie Hinweise zum Wolfs-Monitoring der FVA finden Sie auf der Webseite des Umweltministeriums.

Sind Wölfe gefährlich?

Der Wolf ist ein Raubtier, das sich überwiegend von Fleisch ernährt. Dennoch sind Wölfe dem Menschen nicht gefährlich. Wölfe sind scheu. Nur sehr selten und mit viel Glück sehen Menschen einen freilebenden Wolf. Solange Hunde angeleint oder dicht beim Menschen sind, ist auch deren Gefahr für eine Auseinandersetzung mit einem Wolf äußerst gering.

Wenn Sie einen Wolf sehen, der nicht von selbst verschwindet, klatschen Sie laut in die Hände oder rufen Sie, um ihn zu vertreiben. Wie bei anderen Wildtieren gilt auch beim Wolf: Niemals etwas Essbares zuwerfen oder sonstige Anlockversuche unternehmen.

Mit dem Wolf leben

Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland und Baden-Württemberg ist ein großer und erfreulicher Erfolg des Artenschutzes. EU- und nationales Recht stellen den Wolf, wie auch andere gefährdete Tierarten, unter strengen Artenschutz. Das Raubtier ist für ein funktionierendes Ökosystem wichtig, denn es reguliert Wildbestände wie Rehe, Rothirsche und Wildschweine.

Wann sich ein Wolfspaar einfindet, das im Schwarzwald oder im Odenwald Junge aufzieht und ein Rudel bildet, ist schwer einzuschätzen. Expert*innen gehen davon aus, dass das in den nächsten fünf Jahren sein könnte. Lebensraum und Nahrung gibt es für den Wolf im Südwesten genug.

Wie setzt sich der BUND für Wölfe in Baden-Württemberg ein?

Der BUND hat mit anderen Naturschutzverbänden und Jagdverbänden den Ausgleichsfonds Wolf  gegründet, um die Akzeptanz für den Wolf zu erhöhen. Aus dem Ausgleichsfonds erhalten betroffene Nutztierhalter*innen eine Entschädigung, wenn ein Wolf Nutztiere reißt. Das passiert jedoch selten. Die Erfahrungen zeigen, dass Wölfe sich am ehesten von Rehen ernähren und Nutztiere nur 0,8 Prozent ihrer Beute ausmachen.

Der von BUND, dem Ministerium für Ländlichen Raum (MLR), der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) und anderen Verbänden erstellte Handlungsleitfaden Wolf  zeigt, was wichtig ist, wenn einzelne Wölfe einwandern. Außerdem veröffentlicht das Umweltministerium voraussichtlich 2021 den neuen Managementplan Wolf, an dessen Ausarbeitung auch der BUND beteiligt war. Der BUND setzt sich auf allen politischen Ebenen dafür ein, dass das Zusammenleben zwischen Mensch und Wolf gelingt.

Was die Landesregierung unternimmt?

Das Land hat 2017 als Reaktion auf den Nachweis des ersten sesshaften Wolfs im Nordschwarzwald eine Förderkulisse Wolfsprävention eingerichtet. Das Fördergebiet wird mit jedem weiteren sesshaften Wolf ausgeweitet.
Dabei unterstützt die Landesregierung geeignete Schutz-Maßnahmen der Nutztierhalter*innen. Neben den seit Jahrhunderten bewährten Herdenschutz-Hunden sind es vor allem Elektrozäune, die Weidetiere vor Wölfen schützen.

Die BUND-Position zum Wolf von 2018 finden sie hier. Sie werden auf die Seite des BUND Landverband Baden-Württemberg weiter geleitet.

Luchs

Ausrottung durch den Menschen

Im 19. Jahrhundert war der Luchs auch im Süden Deutschlands heimisch. Doch die Großkatze wurde dann als gefährliches Raubtier und Jagdkonkurrent eingestuft. Landwirte fürchteten um ihr Vieh und eröffneten schonungslos die Jagd. Die traurige Bilanz: Eigenständig entstandene Populationen gibt es in Mitteleuropa kaum mehr.

Projekte zur Wiederansiedelung

In Deutschland gibt es seit einigen Jahren zwar wieder Luchse. Diese Gruppen sind jedoch das Ergebnis von Wiederansiedelungsprojekten verschiedener Naturschutzgruppen. Im Pfälzerwald entstand so eine Gruppe von 20 Luchsen, die helfen sollen, das Tier wieder in deutschen Wäldern heimisch zu machen. Doch nicht nur die Pfalz bietet gute Voraussetzungen für Wiederansiedelungen. Auch der Schwarzwald ist ein idealer Lebensraum. Der BUND in Baden-Württemberg setzt sich unter bestimmten Rahmenbedingungen dafür ein, Luchse auch wieder im Südwesten auszuwildern.

Konflikte mit Jagd und Landwirtschaft

Dieses Ziel ist jedoch mit Konflikten mit Jagd- und Landwirtschaftsverbänden verbunden. Die Luchse reißen zwar kaum Nutztiere, sondern ernähren sich vorzugsweise von einheimischen Wildtieren wie Rehen, Füchsen oder Wildschweinen, was jedoch die Jagdverbände einer Wiederansiedlung kritisch gegenüberstehen lässt.
Falls ein Luchs dennoch eine Kuh oder ein Schaf erbeutet, können die Besitzer*innen entschädigt werden. Aus diesem Grund zahlt der BUND Beiträge in einen Entschädigungsfond, der an betroffene Landwirte geht.

Biotopverbund als zentrale Voraussetzung

Aber nicht nur die Akzeptanz in speziellen Gruppen der Gesellschaft ist notwendig. Damit der Luchs in Baden-Württemberg heimisch wird, müssen weitere Umweltbedingungen stimmen. Die Zerschneidung und Stückelung von Landschaften durch Städte, Straßen oder Gewerbegebiete zerstört den Lebensraum der Luchse und erschwert seine Verbreitung. Wälder und andere Biotope werden durch Städte, Straßen oder Gewerbegebiete getrennt. Wildtiere, zum Beispiel auch die Wildkatze oder der Wolf können so nicht zwischen Lebensräumen wandern oder werden bei dem Versuch eine Straße zu überqueren getötet.

Ein großes Problem, da Luchse Einzelgänger sind und weite Strecken zurücklegen müssen, um sich fortzupflanzen. Um die Wandermöglichkeit für Wildtiere zu gewährleisten, hat der BUND Vernetzungsprojekte initiiert. Grünbrücken über Autobahnen und gepflanzte Korridore sollen Biotope wieder vernetzen.
Durch diese Maßnahmen hofft der BUND Baden-Württemberg, dass der Luchs bald wieder in den Wäldern Süddeutschlands beobachtet werden kann.

Mehr Informationen

Luchse in Baden-Württemberg: Positionspapier des BUND-Landesverband Baden-Württemberg (sie werden weitergeleitet)

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