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BUND Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg

Stellungnahme zur Etappe 2 des Schweizer "Sachplanverfahren Atommülllager"

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir möchten hiermit zur Etappe 2 des Schweizer „Sachplanverfahren Atommülllager“ Stellung nehmen. Damit unterstützen wir die kritischen Stellungnahmen von Einzelpersonen, Gemeinden und Umweltverbänden.
"Der Weg hin zu einem geologischen Endlager ist geprägt von Überraschungen, neuen Einsichten und der Erkenntnis, dass selbst für die bestuntersuchten Orte Unsicherheiten darüber bleiben, wie sicher diese Anlagen langfristig sind", konstatierte das Komitee der US National Academy of Sciences. Allgemein sehen wir die Endlagersuche als unvermeidliche Pflicht der Staaten an, die Atommüll produzieren und produziert haben. Wir fordern aber, dass das Auswahlverfahren transparent und nachvollziehbar durchgeführt wird.
Wir sind mit der bisherigen Beteiligung von Bürgern, Verbänden und Gemeinden an der Schweizer Endlagersuche sehr unzufrieden.

·     Die jetzt vorgesehenen Standorte für die "Oberflächenanlagen" befinden sich in unmittelbarer Grenznähe zu Deutschland. Dies steht im Widerspruch zu der völkerrechtlichen „no-harm rule“, nach der die Schweiz verpflichtet ist, die durch den Bau und Betrieb der Oberflächenanlagen verursachten Lasten und Risiken primär auf ihrem eigenen Staatsgebiet zu tragen.

·     Wir widersprechen, dass die Einsprüche der Bevölkerung des so naheliegenden deutschen Staatsgebietes nicht gleichrangig wie Schweizer Widerspruchsanliegen behandelt werden. Atomares Risiko kennt keine Staatsgrenzen. Den Schaden eines Unfalls wird das schweizerische wie auch das deutsche Gebiet treffen.

·     Die aktuell diskutierten Standorte und "Oberflächenanlagen" liegen alle im Einzugsbereich des Rheins und seiner Zuflüsse. Ein undichtes Endlager wäre eine massive Gefahr für den Lebensraum Rhein und die Trinkwasserversorgung entlang des Rheins bis zur Mündung. Standorte in nächster Nähe zum Rhein oder seiner Zuflüsse oder in der Nähe von Grundwasserströmen kommen nicht für ein Endlager in Frage.

·     Der Geologe Marcos Buser zweifelt an der Sicherheit der "neuen" Standorte und wir schließen uns seiner Kritik an:
Die von der Nagra favorisierten Tiefenlager-Standorte Zürcher Weinland und Bözberg, zu denen nachträglich auch noch Nördlich Lägeren gekommen ist, sind laut Buser alles andere als sicher: „Alle drei liegen am Rande oder teilweise oder ganz über dem Permokarbon-Trog. Dieser Trog wurde nie umfassend untersucht auf Tiefe, Spannungen, Inhalt. Die Antwort auf diese Fragen sei aber unabdingbar für die Sicherheit eines Tiefenlagers. Auf diesem Permokarbontrog, vereinfacht gesagt einem Riss oder einer Senke in dem kristallinen Gestein der oberen Erdkruste, liegen die später entstandenen Sedimentgesteine, darunter auch der für ein Tiefenlager ausgesuchte Opalinuston. Von der Beschaffenheit des Troges und seinem Inhalt hängt die Stabilität dieser Sedimente ab. Weitere Spannungen im kristallinen Grundgebirge, wie sie zur Trogbildung geführt haben, könnten die darüberliegenden Sedimentschichten ebenso in Bewegung bringen, wie die spätere Ausbeutung seines Inhalts, Erdgas oder Kohle zum Beispiel, oder die Nutzung für Geothermie.“ Quelle Südkurier

·     Wir haben auf Grund der bisher vorliegenden Informationen starke Zweifel, dass sich in der Schweiz geologische Formationen finden, die in der Lage sind, hochradioaktiven, langstrahlenden Atommüll eine Million Jahre sicher aufzubewahren. Die von der NAGRA, nach dem Scheitern der Granit-Option, ins Gespräch gebrachten Schichten Opalinuston sind im internationalen Vergleich extrem dünn.

·     Die jetzigen Planungen und Untersuchungen halten wir für noch nicht ausreichend und ihre Ergebnisse für nicht schlüssig. Die geologischen Gegebenheiten beurteilen wir als ungeeignet. Wir sehen daher noch großen Bedarf weitere Untersuchungen durchzuführen, um die "Endlagerfähigkeit" des Standorts und mögliche Alternativen unabhängig zu überprüfen.

·     Angesichts der nicht geklärten Frage der Endlagerung ist es unverantwortlich speziell die alten und risikoanfälligen Schweizer Atommeiler Beznau und Leibstadt weiter zu betreiben.

 

Wir brauchen in der Schweiz ein Endlager, das Sicherheit für eine Million Jahre bietet. Die aktuellen Planungen und Überlegungen lassen diese Sicherheit nicht erwarten. Daher lehnen wir die aktuelle Planung ab.


Viele Grüße

Ulrike von Kutzleben-Hausen  BUND-Vorsitzende

Katharina Baudis    BUND-Geschäftsführerin   

Anita Sperle-Fleig   BUND-Geschäftsführerin  

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